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Abschied von Frau Dr. Lütgenau

Am Dienstag wurde die so jäh verstorbene Schulrätin des Kreises Monschau in ihrer Wahlheimat Schmidt beigesetzt.
Eine große Trauergemeinde erwies der Verstorbenen die letzte Ehre.
Kreis Monschau. - Es waren nicht die konventionellen Worte des Mitempfindens und des Abschieds, die am Dienstagvormittag bei der Beisetzung der am vergangenen Wochenende so jäh verstorbenen Schulrätin Frau Dr. Lütgenau am offenen Grabe in Schmidt gesprochen wurden.
Ob es die Eltern, die Kinder, die Geistlichen beider Konfessionen, die Lehrerschaft oder die Dienststellen und Behörden waren, sie alle hatten mit der Schulrätin des Kreises Monschau, Frau Dr. Lütgenau, aufs beste zusammengearbeitet.
Sie alle schätzten die Schulrätin als eine Frau, der die Erziehung der Kinder in christlichem Geist hohe Verpflichtung war, die für alle ein offenes Ohr und sehr viel Verständnis hatte.
So hatte die Nachricht vom plötzlichen Tod der Schulrätin, die im 59. Lebensjahr stand, alle hart getroffen.
Aus den Trauerreden, die am offenen Grab gehalten wurden, sprach das große Leid über den Verlust eines Menschen, von dem man wirklich sagen darf, daß er nur schwer zu ersetzen ist.
In der Pfarrkirche zu Schmidt, wo das Totenamt für die verstorbene Schulrätin gehalten wurde, hatten sich am Dienstagmorgen die Vertreter des Kultusministeriums von Nordrhein-Westfalen, der Bezirksregierung Aachen, zahlreicher Behörden und Vertretungen des Kreises Monschau, die Lehrerschaft, Schleidens Schulrat Odenbach, viele Bewohner aus Schmidt und anderen Orten des Kreisgebietes und nicht zuletzt die Schuljugend so zahlreich eingefunden, daß das Gotteshaus die Trauergäste fast nicht zu fassen vermochte.
Dechant Moritz würdigte in einer Ansprache noch einmal das Leben und Wirken der Verstorbenen.

Auch als Mensch ein Vorbild

Schulrätin Frau Dr. Lütgenau, so sagte der Dechant, sei nicht nur als Erzieherin, als Schulrätin, sondern auch als Mensch Vorbild gewesen.
Ihrem umfassenden Wissen, ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten und ihrer tiefen religiösen Fundierung habe die Schulrätin, die eine demütige und bescheidene Frau gewesen sei, ein hohes Maß an Arbeit geleistet.
Sie sei bestrebt gewesen, den der Schule anvertrauten Kindern das Fundament zu geben, das sie nötig haben, um in einer Welt der Diesseitigkeit die wirklichen Aufgaben des Lebens erfüllen zu können.
Nach dem Seelenamt gab eine unübersehbar große Trauergemeinde der Schulrätin Frau Dr. Lütgenau das letzte Geleit.
Nachdem Dechant Moritz am Grab die kirchlichen Gebete gesprochen hatte, sprach zunächst ein Geistlicher ein letztes Wort des Abschieds.
Dann ergriff Oberregierungsrätin Frau Sugg vom Kultusministerium das Wort.
Mit Schulrätin Frau Dr. Lütgenau sei eine Frau in die Ewigkeit abberufen worden, die mit besonders reichen Geistesgaben ausgestattet war.
Die Verstorbene sei erfüllt gewesen von einem hohen pädagogischen Berufsethos.
In nimmermüder Arbeit habe sie ihre ganze Kraft für die ihr Anvertrauten eingesetzt.
Ihr Wirken sei immer geprägt gewesen von einer großen Liebe zur Jugend.

Eine der Besten

Auf Grund ihres Wissens und ihrer Klugheit habe sich Frau Dr. Lütgenau als Mitarbeiterin in zahlreichen Arbeitskreisen und Ausschüssen die allgemeine Wertschätzung ihrer Kollegen und Vorgesetzten erworben.
Ihre Arbeiten, die sie veröffentlichte, seien richtungsweisend.
Das Land Nordrhein-Westfalen habe mit Frau Dr. Lütgenau eine ihrer besten Schulrätinnen verloren, deren besondere Liebe immer der Landschule gegolten habe.
Mit tiefer Erschütterung habe man bei der Bezirksregierung in Aachen die Nachricht vom Tod der Schulrätin des Kreises Monschau aufgenommen, sagte Frau Regierungsdirektorin Olbrich von der Bezirksregierung Aachen.
Mitten aus ihrer Arbeit sei sie vom Schöpfer in die ewige Heimat abberufen worden.
Vor den Trauernden stehe ein vollendetes Leben.
In Köln habe Frau Dr. Lütgenau mit großem Idealismus ihr Amt als Lehrerin ausgefüllt.
Dann sei sie als Schulrätin in den Kreis Monschau berufen worden.
Das Monschauer Land sei ihr zur zweiten Heimat geworden.
Die Rednerin erinnerte an die Verdienste der Schulrätin um den Wiederaufbau des Schulwesens und schloß mit der Feststellung, daß die Bevölkerung der Verstorbenen zu großem Dank verpflichtet sei.
Im Auftrage der Vertretung und der Verwaltung des Kreises Monschau sprachen Landrat Gerards und Oberkreisdirektor Stieler.
Der Landrat hob hervor, daß die Bevölkerung des Kreises mit schwerem Herzen Abschied nehme von einem liebgewordenen Menschen, dessen Leben durch eine gewissenhafte Pflichterfüllung gekennzeichnet sei.
Oberkreisdirektor Stieler betonte, daß Frau Dr. Lütgenau sich auch um die Pflege des Heimatgedankens größte Verdienste erworben habe.
Wenn es um die Belange der Heimat ging, sei die Schulrätin ein geistiger Mittelpunkt gewesen.
Namens der Lehrerschaft des Kreises Monschau legte Lehrer Isaac einen Kranz am Grab nieder.
Er gab für seine Kolleginnen und Kollegen das Versprechen ab, daß man den Gedanken an die Verstorbene immer in Ehren halten werde.
Einen Blumengruß legte die Vorsitzende des Zweigvereins Monschau im Verein katholischer deutscher Lehrerinnen, Frau Flink , der der verstorbenen Lehrerin in das Grab.
Der Zweigverein Monschau, deren 2. Vorsitzende Frau Dr. Lütgenau gewesen sein, werde das Beispiel und das Vorbild dieser ausgezeichneten Frau nicht vergessen.
Weitere Worte sprach Frau Lücke, Bochum, die Vertreterin der Volksschulen im Verein katholischer Lehrerinnen.
Schulrat Odenbach, Schleiden, sagte in seiner Ansprache, daß das Leben der Schulrätin Frau Dr. Lütgenau reich und erfüllt gewesen sei.
Auch die Lehrerschaft des Kreises Schleiden grüße die Verstorbene zum letzten Male, deren großes Können man bewundert habe, als Frau Dr. Lütgenau die Geschäfte des Schulrats für das Schleidener Land führte.
Mit Frau Dr. Lütgenau war eine gütige Frau in die Ewigkeit abberufen worden.
„Als Christen wissen wir, daß wir uns in der Liebe Gottes wiedersehen werden".
Als letzte Redner sprachen Bürgermeister Fischer (Matthias) und W. Stollenwerk (Wilhelm, Steuerberater, Bergstraße 5) für die Eifelverein-Ortsgruppe Schmidt.
Sie, wie auch alle anderen Sprecher, schmückten das Grab mit Blumen und Kränzen

(Quelle: Hinweise hierauf fehlen leider auf den Franz J. Brandenburg vorliegenden Kopien; es muss sich aber um eine der beiden in Monschau damals erscheinenden Zeitung handeln, und zwar um „Eifeler Volkszeitung“ bzw. „Eifeler Nachrichten“.
Anm.: Engelbert Donnay, Schmidt, verfasste für „Das Monschauer Land Jahrbuch 2005“ den Beitrag „Aus der Schmidt Schulchronik der Nachkriegszeit“ (S. 123ff.), in dem weitere Informationen über Frau Dr. Lütgenau zu finden sind.
In dem Donnay-Buch „Schmidt und die Schmidter in Wort und Bild“ (Mitte der 1980er Jahre erschienen) findet sich auf S.9 ebenfalls ein Bericht über die verdiente Pädagogin.
Drei Schüler der heutigen Adolf-Kolping-Schule (ehemals Gemeinschaftshauptschule) erstellten 1985 die Untersuchung „Der Wiederaufbau des Schulwesens in Nideggen 1945-1955“.
Ihr Tutor war Franz J. Brandenburg.
Für die Arbeit erhielt die Gruppe damals von der Körber-Stiftung, die alljährlich den Bundeswettbewerb „Geschichte“ um den „Preis des Bundespräsidenten“ (damals: Richard Freiherr von Weizsäcker) ausrichtet.
Das Thema in 1984/85 lautete: „Vom Zusammenbruch zum Wiederaufbau - Alltag im Nachkriegsdeutschland“.
Der Tutor erfuhr hierfür mit seinen Schülern eine Ehrung durch den Rat der Stadt Nideggen.
Jeder erhielt neben der Belobigung ein Geschenk: die Langspielplatte „Grüße aus Nideggen - Luftkurort im Eifel-Naturpark“.
Aus Schmidt dabei: Rolf Cremer und Heinz-Dieter Heinen.
Zur Sache:
Maria Lütgenau war von 1943 bis zur Evakuierung des Orts Anfang September 1944 Lehrerin in Schmidt.
Am 13. Juli 1945 kehrte sie aus der Evakuierung zurück und erteilte ab August 1945 zusammen mit Kaplan Jordan im „Schützenhof“ regelmäßig Religionsunterricht.
Später zog man in den „Eifeler Hof“ von Karl Stollenwerk („Kaus Karl“) um.
Die Schule wurde erst am 21. Januar 1946 wieder eröffnet.
Am 1. Oktober 1947 übernimmt Frau Dr. Lütgenau die kommissarische Verwaltung des Schulaufsichtsbezirks Monschau, d.h.: sie bleibt weiterhin Lehrerin in Schmidt.
Zuletzt hatte sie die Oberklasse unterrichtet.
Ihre Beförderung zur Schulrätin erfolgt – wohl am 1. - im Oktober 1948.)

Quelle: Franz-Josef Brandenburg