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Koppstatz

Auf dem Froitscheidter Weg hat vor 50 Jahren eine alte Frau gewohnt.
Die Schmidter hatten ihr den Namen „de Koppstatz“ gegeben.
Sie hatte keinerlei Besitztümer.
Darum ging sie von Haus zu Haus, um sich etwas Essen zu erbetteln.
Wenn sie in den Wald ging, um Holz zu holen, dann verwandelte sie sich schnell in einen Baum oder in einen Strauch, wenn sie den Jäger kommen sah.
Eines Abends kam ein Mann von Zweifallshammer (im Kalltal zwischen Vossenack und Schmidt) herauf, als plötzlich ein Licht vor ihm ging.
Die alte Frau hatte ein kleines Haus, dessen Dach - wie üblich - mit Stroh gedeckt war.
Sie hat manch einen Vorübergehenden auf der Straße stehen lassen, denn sie konnte zaubern.
Wenn sie jemanden anfasste, so war er daraufhin voller Ungeziefer.
Kommt heute jemand mit einer kaputten Schanze getragen, dann sagen die Leute: „Der hat eine Koppstatzschanze.“

(Anm.: Schanze (mittelhochdeutsch) oder mundartlich „Schangks“ = Reisigbündel aus dürren Zweigen, zum Entflammen des Ofenfeuers gebraucht, durch einen dünnen Draht zusammengehalten; kostete 1952 in Köln 12 Pfg. das Stück, 1956 dann 20 Pfg.)

Eine andere Version:

Vor hundert Jahren lebte am Froitscheidter Weg eine alte Frau.
Die Schmidter nannten sie „Koppstatz“.
Sie besaß ein kleines, strohgedecktes Häuschen.
Sie lebte nur vom Betteln, denn Geld hatte sie keines. I
hr Brennholz sammelte sie sich im nahegelegenen Wald.

und noch eine Version:

Eines Jahres im Frühling gab der Förster Reisignummern aus.
Auch sie kaufte sich ein Los (aus dem französischen lot Anteil entlehnt).
Täglich war sie im Wald. Kam nun einer von den angrenzenden Losen ins Holz, dann warf sie mit Steinen nach ihm und rief:
„Alles ist mein, 1, 7, 8, 9.“
Da sie es gerne mollig warm hatte, heizte sie immer sehr stark.
Deshalb brannte auch eines Tages wegen der zu großen Hitze ihr Häuschen ab.
Nur ein kleiner Steinhaufen blieb als Erinnerung an die alte Frau „Koppstatz“.

Quelle: Franz-Josef Brandenburg