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Schulchronik

1943/1944:

- Anfang 9:
Frau Dr. Maria Lütgenau ist Lehrerin an der Volksschule.
Man beginnt mit der Evakuierung des Ortes.

Quelle: Franz-Josef Brandenburg

1945:

13.7.: Frau Lütgenau kehrt aus der Evakuierung zurück.
.8.: Zusammen mit Kaplan Wilhelm Jordan erteilt Frau Lütgenau im „Schützenhof“ regelmäßig Religionsunterricht.
10.9.: Alle bisherigen Schulbücher – mit Ausnahme der Bibel und des Katechismus – sind seit Kriegsende von der Militärregierung verboten.
Heute ist der letzte Tag, an dem sämtliche nationalsozialistische Literatur, Schulbücher und Universitäts-Handbücher, nationalsozialistische Veröffentlichungen, Läger bei den Buchhandlungen und Verlegern, Werke, die sich bei den Einwohnern befinden, sowie Zeitschriften, besprochene Grammophonplatten etc., die den Nationalsozialismus betreffen, beim jeweiligen Bürgermeister abgeliefert werden können.
Jede Übertretung der Anordnung führte den Schuldigen vor ein Militärgericht, das ihn bis zu zehn Jahren Gefängnis und bis zu 100.000 Mark Geldstrafe verurteilen konnte.

(Anm. Franz-Josef Brandenburg: Sehr viele Bürger haben sich offensichtlich nicht an diese Anweisung gehalten, denn es sind heute noch genügend der o.a. Dinge
im Umlauf.)

23.10.: Beim Aufräumen des Schulhofs werden fünf junge Leute (Heinrich Stollenwerk (verstarb später), Robert Wirtz, Otto Breuer, Martin Naas und Wilhelm Falter) durch eine amerikanische Flügelgranate z.T. schwer verletzt.

Quelle: Franz-Josef Brandenburg

1946:

21.1. - Ostern 1947: Frau Dr. Lütgenau schreibt die Notchronik der Volksschule.
Aus Papiermangel benutzt sie hierfür ein Rechenheft, das gleichzeitig als Portobuch dienen musste.
An diesem Montag wurde um 10 Uhr in einer Feierstunde wieder der reguläre Schulbetrieb aufgenommen.
Die frühere, ebenfalls total zerstörte „Mädchenschule“ hatte ausgedient.
Es gab für beide Geschlechter nur noch ein gemeinsames Gebäude.
„Zur Feierstunde waren zahlreiche Ehrengäste erschienen, darunter „sechs kinderreiche Mütter, die zur Zeit die größte Kinderzahl in der Volksschule haben".
Landrat Heinen aus Monschau „hatte zur Erhöhung des Kinderfreude und zur Betonung der Bedeutung des heutigen Tages“ für jedes Kind einen Weckmann mitgebracht.
Dies wurde von den Kindern mit Beifall aufgenommen.
Einzeln bedankten sie sich bei ihm.
Am folgenden Tag war der erste Schultag.
104 Jungen und 108 Mädchen meldeten sich.
Da Frau Dr. Lütgenau die einzige Lehrkraft im Ort war, hatten die Kinder des 1. und 2. Schuljahres keinen Unterricht.
Die restlichen 165 Kinder wurden in drei Gruppen aufgeteilt.
Weil das 7. und 8. Schuljahr besonders betreut werden mußte, konnte das 1. und 2. Schuljahr trotz der zweiten Lehrkraft immer noch nicht eingeschult werden".
8.2.: Frl. Fober, bis dahin in Kalterherberg tätig, kommt als Hilfskraft an die Schule und unterrichtet ab dem 13. Februar das 3., 4. und 5. Schuljahr bei Nießen in Harscheidt.
17.3.: Nachdem die katholische Kirche sich vehement für die Wiederherstellung der Bekenntnisschulen eingesetzt hatten, gibt es eine Volksbefragung; die britische Besatzung hatte sie festgesetzt.
98,5% der befragten Schmidter Eltern sprechen sich für die Wiedereinführung aus.

(Anm. Franz-Josef Brandenburg: Ein Ergebnis, dass die Nazis nur durch Wahlfälschung erreicht hätten.
Bekenntnisschulen waren der Regelfall; es konnten nach dem Willen der Eltern aber auch Gemeinschaftsschulen eingerichtet werden.)

26.3.: Erste Schulentlassung
1.4.: Die ersten Schulneulinge werden aufgenommen; es handelt sich um Kinder des Jahrgangs 1938, die bereits vor der Evakuierung einen Monat lang besucht hatten.
Ihre Vorkenntnisse waren sehr unterschiedlich: einige konnten bereits lesen und schreiben, andere „konnten weder „a“ noch „o“.“
27.5.: Beginn der Schulspeisung.
„Sämtliche schulpflichtigen Kinder erhalten täglich 1/2 l Milch- oder Erbsensuppe.
Dazu bekommen die über 12 Jahre alten Kinder 80 g Keks.
Gekocht wird bei Falter – Schützenhof – und bei Nießen , Harscheidt. Nährwert der Suppe: 385 bzw. 395 Kalorien.“
1.7.-21.7.: Es werden Waldbeerferien eingerichtet.
Sie dienen zum Sammeln von Wald- und Himbeeren durch Lehrer und Schüler.
Es werden vierzig Pfund Waldbeeren gepflückt, deren Verkaufserlös der Schule zukommt.
18.7.: „Während bis jetzt die Schulspeisung kostenlos war, soll nun pro Kopf und Woche 1,-- RM eingesammelt werden.“

(Anm. Franz-Josef Brandenburg: Die Speisung erfolgte mit Unterbrechungen bis 1948; 70% aller Schulkinder nahmen daran teil.)


21.7.-20.9. u.a.: Sommertertial.
Die Schularbeit litt in der Oberklasse durch überaus starke Inanspruchnahme der Kinder für Feld- und Hausarbeiten.
Ein paarmal mußten die oberen Klassen beim Schulbau helfen: Steine abklopfen, Dachziegel aufreichen.
Zweimal opferten die Lehrpersonen und die Kinder freie Nachmittage, um am Schulbau zu helfen.“

(Anm. fjb: Tertial ist ein Fremdwort aus dem Lateinischen mit der Bedeutung ein Drittel.
Das heißt: das Schuljahr war nicht in zwei Halbjahre, sondern in drei Abschnitte von je vier Monaten eingeteilt.)

Quelle: Franz-Josef Brandenburg

1947:

Während der Sommerferien – es herrscht große Hitze – fordert eine typhusähnliche Krankheit in fast jeder Schmidter Familie ihr Opfer.
Todesfälle sind gottlob jedoch nicht zu vermelden.
16.1.: Lehrer Josef Kruppa nimmt seinen Dienst auf.
30.1.: „Am 30. Januar besuchte Mrs. Watson, E.C.O. Aachen, den 6. Jahrgang, der gerade von Herrn Lehrer Kruppa unterrichtet wurde.
Sie bemängelte den Unterrichtsraum bei J.(osef) Falter und die dadurch bedingte Unruhe der Kinder.“
1.2.: Frl. Fober verlässt Schmidt. Der Grund: sie konnte im Ort weder Unterkunft noch Verpflegung finden.
15.3.: Nachdem es gelungen war, eine Unterkunft mit Verpflegung für die dritte Lehrkraft zu finden, nimmt Wilhelm Falter die Lehrerin Frl. Vent auf.
Sie, die bereits vor der Evakuierung in Schmidt unterrichtet hatte, war vorher in Gereonsweiler tätig.
25.3.: Es ist ein erster Schritt zu einem würdigen Schulunterricht zu verzeichnen: ab sofort findet der Unterricht der Oberklasse im neuerrichteten Schulraum statt.
Als Grundlage hierfür dienten der „Studierraum“ und die Küche der ehemaligen Hauptlehrerwohnung.
„Es ist“, so die Schulchronik, „ein großer Fortschritt, dass die Kinder nun endlich, nach 1 ¼ Jahren, einen eigenen Schulraum haben, in dem sie, ungestört durch Fremde, arbeiten können.
Ein großer Mangel ist das Fehlen von Fenstern, die geöffnet werden können.
Bislang hat es nur zu Notfenstern gereicht.
Eine Lüftung kann nur durch Türöffnen erfolgen; da letztere aber direkt ins Freie führt, hat dies seine Schwierigkeiten.
Ferner ist die Führung der Aufsicht in den Pausen sehr schwierig.
9/10 der Schulhoffläche ist mit Trümmern und Holzstämmen bedeckt.
Letztere lagern hier, um als Masten für die Lichtleitung benutzt zu werden.“
Ende 8.: „Der Behelfsschulraum in der ehemaligen Hauptlehrerwohung ist in einem sehr unwürdigen Zustande.
Noch immer ist keine Lüftung möglich.
Infolge der Sprengungen sind 2 Scheiben zertrümmert, die durch Pappe ersetzt wurden.
Aus der nach außen führenden Tür des Schulraumes sind beträchtliche Stücke herausgefallen, so daß die Klasse bei dem naßkalten Wetter gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt ist.
Alle Bemühungen, eine neue Tür zu bekommen, scheiterten.“
1.10.: Frau Dr. Lütgenau übernimmt die kommissarische Verwaltung des Schulaufsichtsbezirks Monschau.
Bis dahin hatte sie die Oberklasse unterrichtet. Lehramtsanwärter Karl Backes aus Kalterherberg kommt als vierte Lehrkraft an die Schule.
Er unterrichtet die Klasse 1b und – bedingt durch den teilweisen Weggang von Frau Lütgenau – auch in der Oberklasse.
Ab heute können endlich alle schulpflichtigen Kinder in Schmidt Unterricht erhalten.

Quelle: Franz-Josef Brandenburg

1948:

1.5.: Die Schulräume werden vom „Schützenhof“ in die Gaststätte von Karl Stollenwerk verlegt.
Es wird allerdings immer noch Kurzunterricht erteilt, da die Schule trotz großer Bemühungen noch nicht aufgebaut werden kann.
.10.: Frau Lütgenau wird zur Schulrätin befördert und nach Monschau versetzt.
Für sie kommt Hans Plum aus Eilendorf als vierte Lehrkraft an die Schule.
Er übernimmt von Herrn Backes die zweite Klasse.
17.10.: Matthias Fischer löst nach den Gemeinderatswahlen Bernhard Frings als Bürgermeister ab.
Über Matthias Fischers Aktivitäten bezgl. des Schulneubaus lesen wir in der Schulchronik: „Er beginnt alsbald, die nötigen Vorarbeiten zum Wiederaufbau der Schule zu veranlassen.
Der Schulhof wird von allem Unrat gesäubert.
Der Bau der Abortanlage beginnt.
Begünstigt durch das schöne frostfreie Spätherbstwetter gelingt es, die Anlage im Rohbau am 16.12.48 unter Dach zu bringen.
Auch die schadhafte Eingangstür zum Notschulraum wird durch eine neue ersetzt.“
2.12.: Hatten bisher die katholischen und protestantischen Kinder gemeinsamen Religionsunterricht erhalten, so erteilte ab heute „Wanderlehrer Schiewe, ein Ostvertriebener, aus Lammersdorf den Kindern evangelischen Bekenntnisses wöchentlich zwei Stunden Religionsunterricht im Unterrichtsraum bei Karl Stollenwerk.“

Quelle: Franz-Josef Brandenburg

1949:

Nach den Osterferien wird mit dem Schulneubau begonnen.
11.3.: Die Fa. Junker, Solingen-Wald, liefert der Schule 60 zweisitzige Stahlrohrmittelholmbänke, so dass nun das alte Mobiliar durch 22 dieser neuen Bänke ersetzt werden kann.
29.3.: Die Toilettenanlage kann zur Benutzung durch die Schülerinnen und Schüler freigegeben werden, verfügt vorläufig aber nur über sechs Becken.

(Anm.: Franz-Josef Brandenburg: Sie stand dort, wo heute der Neubau steht.)

10.5.: Nachdem Lehrer Schiewe nach Frelenberg versetzt wurde, erteilt nun Lehrer von Leesen den evangelischen Unterricht.
.8.: Frl. Gertrud Vent scheidet aus dem Lehrerkollegium aus und wird durch Frl. Elisabeth Kohler ersetzt.
17./18.8.: In Simmerath findet das „Sportfest der Schuljugend des Kreises Monschau“ statt.
„Unsere Schule stellte den schnellsten Läufer und den besten Springer (Willi Wergen, Lauf 13,8 sek – 100 m; Sprung 4,75 m).“
Am zweiten Tag konnten die Mädchen im Staffellauf den 2. Platz erringen.
Im Völkerball wurden die Mädchen nach neun Spielen Sieger.
„Sie erhielten als Auszeichnung eine Photographie eines Vennhauses in Kalterherberg.“
29.11.: In der Gaststätte Nießen wird das Richtfest für den Schulneubau gefeiert.

Quelle: Franz-Josef Brandenburg

1950:

Die Schule erhält einen Diaprojektor.
Hierzu die Schulchronik: Vor den Ferien wurde der Schule ein Kleinbildwerfer „Diafant“ für die Benutzung im Unterricht von der Kreisbildstelle Monschau zugewiesen.“
31.1.-6.2.: Die erste Klasse wird behördlich geschlossen.
Der Grund hierfür: „Gegen Ende Januar nimmt die Zahl der an Masern erkrankten Schulkinder zu.
In der Klasse I fehlen ca. 35% der Kinder.“
1.3.: Josef Kruppa, der seit dem Weggang von Frau Lütgenau kommissarischer Schulleiter war, wird zum Hauptlehrer ernannt.
19.4.: Zwei Klassenräume im Schulneubau sind fertiggestellt. Somit ist der Unterricht in den Gasthäusern beendet.
Bis zur Vollendung der übrigen vier Klassenräume bleibt der Notraum allerdings weiter in Funktion.
18.7.: Ende der Sommerferien.
Die Schule ist fertig; ab sofort können alle Kinder am Vormittag unterrichtet werden.
7.11.: Die fünfte Lehrerstelle wird mit Frau Luise Huth aus Monschau besetzt.
Sie übernimmt den vierten Jahrgang, der bisher nur 12 Unterrichtsstunden pro Woche hatte.
Sie bleibt bis zum Schuljahresende 1984 im Dienst.

Quelle: Franz-Josef Brandenburg

1952:

Aus der Schulchronik: „Da in Nordrhein-Westfalen seit dem Sommer die spinale Kinderlähmung epidemisch auftritt, sind die großen Ferien für die höheren Schulen und Stadtschulen bis zum 15. August verlängert worden.“
25.8.-15.9.: Da auch in Kalterherberg und Monschau bereits einige Typhusfälle aufgetreten sind, sind auch die übrigen Schulen im Kreis Monschau geschlossen.
Man möchte so einer Verschleppung von ansteckenden Krankheiten vorbeugen.

Quelle: Franz-Josef Brandenburg

1953:

14.8.: Wegen der schlechten Finanzlage hatte die Gemeinde bislang noch keine neuen Schulkreuze anschaffen können.
Erst mit Beginn des neuen Etatjahres hatte die Gemeinde die Anschaffung von fünf Kreuzen gestattet.
Besorgt wurden sie in Aachen von Pfarrer Bayer.
„Am Morgen des Vigiltages segnete nun der Ortspfarrer die neuen Kruzifixe, und gleichzeitig flehte er den Segen Gottes auf das neue Schulgebäude herab.
Die schlichte Feier machte auf die Kinder, die in den einzelnen Klassen mit ihren Lehrern stehend dem sakralen Akt beiwohnten, einen bleibenden Eindruck.“

(Anm. Franz-Josef Brandenburg: Bereits im Oktober 1950 hatte Hauptlehrer Kruppa die zuständigen Stellen gebeten, das neue, noch nicht ganz fertige Schulhaus einsegnen zu lassen. Das alte Schulgebäude war in den Jahren 1936-1938 erweitert worden.)

Quelle: Franz-Josef Brandenburg

1952:

8.4.: Auf Grund des „Ersten Gesetzes zur Ordnung des Schulwesens im Lande Nordrhein-Westfalen“ sollen in den Schulen wieder Pflegschaften gebildet werden.
Hier in Schmidt werden in der letzten Oktober- und der ersten Novemberwoche in jeder Klasse Elternabende abgehalten, um auf Grund des neuen Gesetzes die Klassenpflegschaften zu gründen.
13.11.: Die 1. Vorsitzenden der Klassenpflegschaften und die Lehrervertreter gründen die Schulpflegschaft.
Zum „1. Vorsitzenden derselben wurde Herr Hans Müllejans und zu dessen Vertreter Frau Gertrud Wergen Haus Nr. 135 gewählt.“

Quelle: Franz-Josef Brandenburg

1954:

.3.: Die Schule erhält ein zweites „modernes Lehrmittel (Schulfunk)“:
„In den Märztagen legte der Elektriker Frings in allen Klassenräumen je einen Lautsprecher an, so daß alle Klassen nun die Schulfunksendungen hören können.
Der von der Landesbildstelle im Oktober gelieferte Apparat „Staudigel 0“ ist, nachdem jetzt auch eine Hochantenne geliefert worden ist, so stark, daß mehrere Klassen zugleich eine Sendung hören können.
Kinder und Lehrer sind begeistert darüber, daß sie nun mit modernen Lehrmitteln arbeiten können.“

Quelle: Franz-Josef Brandenburg