Lebensmittelpreise

Im August 1945 lesen wir in einem Nideggener Tagebuch über die Nahrungsmittelsituation in den ersten Monaten nach Kriegsende:
„Es ist Erntemonat, aber es gibt fast nichts zu ernten. Wegen des starken Artilleriebeschusses hatten wir im vorigen Jahr kein Wintergetreide säen können.
Es fehlt daher an Brotgetreide.
Alle Vorräte in Feldscheunen, Scheunen und Mieten sind fast restlos von den abziehenden Truppen in Brand gesteckt worden.
Die Kartoffeln geben nur mittleren Ertrag.
So droht jetzt zu allem der Hunger.
Nur drei Höfe sind in der Gemeinde von der Brandschatzung verschont geblieben:
Kirschbaum, Neuenhof und Hetzingerhof.

Oktober 1945:

Die Kartoffeln sind geerntet.
Ertrag mäßig.
Wir haben sie im Keller des Forsthauses untergebracht.
Das Heu auf dem Heuboden des Forsthauses wird bei jedem Regen naß.
Nun steht der Winter vor der Türe.
Keine Dachziegel, kein Schweinchen, kein Streichhölzchen ist zu kaufen.

November 1945:

Wir haben wieder Lebensmittelkarten.
Es gibt jetzt einiges zu kaufen.
Wohl aber ist es wenig.“
Von dem wenigen Brot, das zudem nicht immer genießbar war, konnten die Menschen kaum leben, geschweige denn schwer arbeiten.
Da half die Milch der Kühe schon sehr, denn mit Milch und Magermilch ließen sich schon allerhand nahrhafte Speisen zubereiten.
Mit der Milch gab es auch wieder Butter, die die Leute jedoch nur in den seltensten Fällen selbst aßen.
Sie verwendeten sie vielmehr als begehrtes Tauschobjekt gegen kostbares Baumaterial zum Aufbau ihrer beschädigten bzw. zerstörten Häuser.
Außerdem waren Naturalien nun mal so ziemlich das Einzige, was die landwirtschaftlich orientierte Bevölkerung in unserer Stadt zu bieten hatte.
Da wurden Dachziegel gegen Heu und Weizen getauscht, Eisenträger gegen Mehl.
Eine Familie erhielt ein Pferd gegen Speck und gegen elf Zentner Kartoffeln ein Kalb.
Das Wort „kompensieren“, damals in aller Munde, ist heute schon fast wieder vergessen.
Mit diesem Wort umschrieben die Menschen den Tauschhandel jeder Form.
Das „Schiebergeschäft“ florierte.
Der „Schwarzmarkt“ blühte auf.
Man verfuhr nach dem Motto: ich biete drei Teppiche gegen einen Sack Kartoffeln.
Im Stadt- und Kreisarchiv Düren befindet sich eine handschriftliche Auflistung der üblichen Schwarzmarktpreise im Raum Düren für die Monate August bis Dezember 1946.
Am 14. August 1946 kostete ein Pfund Butter zwischen 150 und 250 Reichsmark, eine englische Zigarette 7,50 RM.
Eine deutsche Zigarette dagegen war für 2 bis 5 RM zu haben.
Ein Pfund Weizenmehl kostete bis 25 RM.
Für ein Paar neue Schuhe mußten 500 RM bezahlt werden. Wer einen Zentner Kartoffeln erwerben wollte, der mußte dem Schwarzhändler zwischen 300 und 800 RM geben.
Am 21. August 1946 lag der Preis für ein Pfund Zucker zwischen 40 und 45 RM, der für ein Ei bei 5 RM. Schweinefleisch war für 50 RM/Pfg., Speck für 150 bis 200 RM/Pfd. zu haben.
Mehr oder weniger war jeder mit Tauschgeschäften dieser oder ähnlicher Art beschäftigt.
Man musste „schieben“, wollte man das Haus wieder herrichten und am Leben bleiben.
In jenen Tagen kam auch die „Zigarettenwährung“ auf.
Wer gute Beziehungen zu den Besatzern hatte, bekam von ihnen gelegentlich Zigaretten geschenkt.
Da sie sehr begehrt waren (es gab so gut wie keine deutschen Zigaretten; ihre Qualität war außerdem schlecht), stellten sie da s ideale Tauschmittel dar.
Zur Butter gesellte sich dann bald der zollfrei auf verschwiegenen Pfaden eingeführte Kaffee.
Beide öffneten alle Türen für alles notwendige Material und alle sonstigen Bedürfnisse

Quelle: Franz-Josef Brandenburg