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Ist die zivilisierte Welt verrückt geworden?

Geschrieben von: Ludwig Fischer

Am 9. Februar 1945 rücken amerikanische Fallschirmjäger nach Harscheidt, Froitscheidt und Kommerscheidt ein.
Sie kommen von Brandenberg und Bergstein durchs Kalltal hoch und haben die Aufgabe, die linke Flanke der 78. amerikanischen Infanterie-Division zu schützen, die auf dem Weg nach Hasenfeld zum Damm ist.
Der Soldat Christensen, der in Kommerscheidt eingesetzt ist, schreibt:
Am 9. Februar erreichten wir Schmidt.
Was ich tatsächlich (wirklich) sah, war ein einziger Trümmerhaufen.
Die Stadt war flachgelegt (dem Erdboden gleich gemacht).
Hier muß eine schreckliche Schlacht stattgefunden haben.
Überall zerstreut lagen Leichen.
Über einige waren Panzer gefahren und hatten sie zerquetscht.
Verkohlte Körper hingen aus den Panzertürmen.
Hier hatte die Mannschaft noch versucht, der brennenden Hülle (dem brennenden Sarg) zu entkommen.
Man konnte Arme und Beine herumliegen sehen, aber keine Körper, zu dem sie gehörten.
Hatte ein wildes Tier diese weggetragen, um sie später zu fressen?
Du kannst nur den Kopf schütteln und dich wundern: Ist dies Armageddon?
Ist die zivilisierte Welt schlecht (verrückt) geworden?
Die Soldaten sollten ursprünglich von Vossenack her Kommerscheidt angreifen.
Doch sie weigerten sich, dies zu tun, da sie wussten, dass die meisten Toten der 28. amerikanischen Infanterie-Division noch überall im Kalltal und auf den Kampffeldern lagen.
Der Anblick muß furchtbar gewesen sein, sonst hätte der Amerikaner Christensen wohl dies nicht geschrieben.
Sicherlich war es verwunderlich, dass man hin und wieder nur Gliedmaßen fand, doch viele Soldaten waren ja buchstäblich von Granaten und Minen zerfetzt und zerstückelt worden.
Wilde Tiere – die Amerikaner glaubten, dass Wölfe oder Bären die Körper der Toten verschleppt hätten – gab es jedoch hier nicht.