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Es gab genügend Kampf für jedermann

Dieser Artikel zeigt, wie wichtig die Eroberung von Schmidt 1945 war

„Es gab genügend Kampf für jedermann…..”

Das Buch von General James M. Gavin „Bloody Huertgen: The Battle That Should
Never Have Been Fought” vom Dezember 1979 veranlaßte unseren Leser, Mr.
Dominic F. O’Donnell aus Fairfax, Virginia, folgenden Brief an den General zu
richten:

„Sehr geehrter Herr General,

Sie behaupten in Ihrem Buch, daß der Ort Schmidt durch ihre 82. Luftlandedivision
eingenommen worden ist. Dies ist nicht richtig. Ich war im Krieg Angehöriger der KKompanie
im III. Bataillon des 310. InfRegts der 78. InfDiv und es war dieses
Bataillon, daß Schmidt am 7. und 8. Februar 1945 angegriffen und eingenommen
hat. Ich war dabei und kann mich noch gut an viele Dinge erinnern, die damals
passiert sind. Eins dieser Dinge ist, daß mir die Munition für meine Panzerfaust
ausgegangen ist, als ich erfolglos versucht habe, während unseres Vorstoßes auf
Schmidt die Stahltür aus einem schweren Betonbunker herauszuschießen. Aber es
ist nicht wichtig, was ich dort erlebt habe….
Sie sagen weiterhin – zumindest könnte die Überschrift dieses Kapitels dies
vermuten lassen – daß dies (die Schlacht im Hürtgenwald) eine Schlacht gewesen
ist, die man besser nie geschlagen hätte. Diese Schlußfolgerung eines hohen
Offiziers und Divisionskommandeurs in dieser Schlacht kommt für mich – sagen wir –
etwas überraschend. Dieser Kampf ist nicht darum geführt worden, irgendwelche
kleinen Ortschaften im Hürtgenwald zu nehmen, sondern darum, den großen
Staudamm an der Rur zu nehmen und ihn vor der Zerstörung durch die Deutschen
zu bewahren, was eine massive Überflutung des unteren Flußlaufes zur Folge
gehabt hätte…..“
So weit der Auszug aus Mr. O’Donnells’ Brief. Die Gründe, warum General Gavin zu
dem Schluß kommt, daß diese Waldschlacht nie hätte geschlagen werden sollen,
kommen in dem entsprechenden Kapitel seines Buches klipp und klar zum Ausdruck.
Hier heißt es: „Offensichtlich sollte der Angriff auf Schmidt direkt von der Anhöhe bei
Lammersdorf aus erfolgen. Lammersdorf und Schmidt sind durch eine gepflasterte
Straße miteinander verbun-den, das Gelände dazwischen besteht abwechselnd aus
Waldstücken und freiem Ackergelände und stellt somit ein gutes Panzergelände dar
– es wäre taktisch viel einfacher gewesen, in diesem Gelände anzugreifen, als durch
das Kalltal zu gehen. Die Frage, die sich mir aufdrängte war, wie um alles in der Welt
man darauf gekom-men war, beim ersten Angriff auf Schmidt durch das Kalltal
vorzustoßen. Warum ist man nicht auf dem Höhengelände geblieben und hat die
Deutschen umgangen, um so zur Rur zu kommen? Ich habe diese Frage mit einem
Stabsoffizier des Korps erörtert, aber der hat meine Einwände einfach abgetan.“
Einen sehr viel wichtigeren und interessanteren Einblick in die Thematik erlaubt
allerdings die Reaktion des Generals auf Mr. O’Donnells’ Brief. Im Hinblick auf die
Frage, welche Einheit denn nun für die Einnahme von Schmidt verantwortlich
gewesen ist, äußert sich General Gavin in einem Antwortbrief, den er an Mr.
O’Donnell zurückschrieb: „Sehr geehrter Herr, …. Den ersten Versuch, Schmidt
einzunehmen, hatte die 28. InfDiv gemacht. Sie trat am 2. November 1944 zum
Angriff an. Nach selbst nicht erwartetem Erfolg war es ihr am 3. November gelungen
„beiderseits des Angriffsziels der Division“, ein Bataillon nach Kommerscheidt zu
bringen und ein weite-res nach Schmidt. Am nächsten Tag erfolgte ein schwerer
deutscher Gegenangriff mit Panzerunterstützung, der das Bataillon in Schmidt aus
der Ortschaft hinauswarf. Es hatte danach keinen erfolgreichen Versuch mehr gegeben,
Schmidt wieder einzunehmen, bis im Februar 1945 die 82. Luftlandedivision den
Befehl erhielt, über das Kalltal hinweg anzugreifen und Kommerscheidt und Schmidt
einzunehmen…..“
„Aus Sicht der 82. Luftlandedivision stellt sich die Lage der Dinge so dar, daß sie in
Kommerscheidt auf Teile des 309. InfRegts der 78. InfDiv traf, als sie den Ort
erreichte und dann sofort weiter auf Schmidt vorgegangen ist. Sie meldete dann, daß
sie in Schmidt sei und ging anschließend in nordostwärtiger Richtung parallel zum
Kalltal vor, um Schmidt so durch eine Wiedereinnahme durch deutsche Kräfte zu
schützen. Wir nahmen damals an, daß die 82. an der Einnahme von Schmidt
beteiligt gewesen ist, es kann aber auch genauso gut sein, daß es das 310. InfRegt
gewesen ist, denn dieses hatte den Auftrag, “Schmidt zu durchstoßen und weiter
Richtung Damm anzu-greifen”. Ich selbst war erst etwa einen Tag später (am 9.
Februar) in Schmidt und da herrschte dort noch ein er-hebliches Durcheinander. Es
gab zum Beispiel noch vereinzelt deutschen Artilleriebeschuß und in der folgenden
Nacht passierte es sogar, daß sich ein deutscher Melder bis in die Nähe des
Gefechtsstandes des 505. Fallschirmjägerregiments verlief, weil er wohl davon
ausging, daß es ein eigener Gefechtsstand war. Er wurde erschossen. Das 310.
InfRegt hat dann den Schwammenaueler Staudamm eingenommen, was zu einer
der grössten Waffentaten an der Westfront gezählt hat und natürlich von allergrößter
Wichtigkeit für den Gewinn des Krieges gewesen ist.“
„Als die 82. Luftlandedivision Schmidt erreicht hatte, gingen wir davon aus, daß wir
es auch gewesen sind, die es genommen hatten, aber das war für uns auch nicht
von so großer Wichtigkeit. Wichtig war nur, daß es gelungen war, die Staudämme
einzunehmen und es war die 78. InfDiv, die das geschafft hat. Nach dem ganzen
langen Weg und den zahllosen Tagen des Kampfes seit Sizilien schien es uns nicht
besonders wichtig zu sein, wer wann welche Ortschaft genommen hatte, Hauptsache
war, daß wir gewannen. Es gab genügend Kampf für jedermann und auch genügend
Ehre zu holen für jeden, dessen waren wir uns sicher.“

Quelle:
American Heritage, Ausgabe Juni/Juli 1980 (eines der renommiertesten Historienmagazine der USA)