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Begräbnisfeier John Farrell jr.

Begräbnisfeier für vermißten Soldaten aus dem 2.Weltkrieg in Norwood, Massachussetts, am 30. April 2010

Freitag: Die Ehrenformation trägt den Sarg von Staff Sgt. John Farrell, Jr. zu Beginn des
Gottesdienstes in die katholische St. Timothy Kirche in Norwood hinein. Farrell wurde am
8. November 1944 im Verlauf der Schlacht im Hürtgenwald in der Ortschaft Kommerscheidt
als vermißt gemeldet. Seine sterblichen Überreste wurden im September 2008 dort gefunden
und im September 2009 identifiziert.

Die Ehrenformation trägt den Sarg nach dem Gottesdienst aus Kirche heraus.

Die Familie und Freunde der Familie von Staff Sgt John Farrell Jr. stehen am Kirchenportal und wohnen dem Augenblick bei, in dem der Sarg vor der St. Timothy Kirche von Norwood in den Leichenwagen verladen wird. In der Mitte seine Schwester Barbara Wilson mit ihrem Sohn John Farrell Wilson, der seinen Namen zum Gedenken an seinen nun heimgekehrten Onkel erhielt. Links neben Mrs. Wilson steht Nancy J. Wilson aus Lexington, die die zweite Schwester von John J. Farrell, Rosemary Farrell, am Arm hält.

Der Sarg wird mit militärischem Gruß durch die Vertreter der Veteranenorganisation von Norwood und der Nationalgarde von Massachusetts in den Leichenwagen verladen.

Frank Downs, ein Veteran des US Marine Corps, steht mit einer amerikanischen Fahne am Weg, den der Trauerzug in Richtung des Highland Cemetery Friedhofes nahm.

von Lindsay Briggs, GateHouse News Service

erschienen am 3. Mai 2010, 13:39 Uhr
NORWOOD —

Brigadegeneral Thomas Sellar

Nach der Beisetzung von Staff Sergeant John J. Farrell, Jr. auf dem Highland Cemetery Friedhof von Norwood trat der Kommandeur der Nationalgarde von Massachusetts, Brigadegeneral Thomas Sellar, vor die Trauergemeinde uns sagte, daß sich nun der Lebenskreis eines Vermißten geschlossen habe.

Barbara Wilson und Rosemary Farrell aus Norwood, die beiden Schwestern des Heimgekehrten, sagten, daß sie mit der Entdeckung der sterblichen Überreste ihres Bruders, der 1944 im 2. Weltkrieg als vermißt gemeldet wurde, nicht mehr gerechnet haben.

„66 Jahre lang wußten wir rein gar nichts“, sagte Barbara Wilson letzten Montag. „Es ist erstaunlich und unglaublich und schwierig zu erklären. Wissen Sie – nachdem nun 66 Jahre vergangen sind, ha-ben wir nicht mehr mit einem solchen Ausgang gerechnet.“

Angehörige der Familie Farrell, Soldaten, der Gouverneur des Staates Massachusetts, Deval Patrick und etwa 50 weitere Trauergäste warteten ab 10:00 Uhr vor dem Portal der katholischen St. Timothy Kirche in der Nichols Street auf die Ankunft der militärischen Ehrenformation und des Sarges.

Nach dem Gottesdienst fuhr der Trauerzug zum Highland Cemetery Friedhof, wo Soldaten des 54. Freiwilligenregiments der Nationalgarde von Massachusetts die amerikanische Flagge, die den Sarg bedeckte, falteten und General Sellars sie den beiden Schwestern Farrells’ übergab.

Die Ehrenformation der Armee entbot Farrell den militärischen Gruß, schoß dabei drei Salven Ehren-salut und spielte das Trompetensignal zur Gefallenenehrung.

„Dies bedeutete nicht nur für die Familie Farrell den Abschluß eines historischen Vorganges, sondern auch für den Dienst am Land allgemein“, sagt General Sellars. “Eines der Grundprinzipien des mili-tärischen Dienens ist es, niemals einen gefallenen Kameraden zurückzulassen, worauf wir alle sehr stolz sind.“

Farrell, der im 2. Weltkrieg als stellvertretender Gruppenführer eingesetzt war, wurde am 8. Novem-ber 1944 im Verlauf der Schlacht im Hürtgenwald in der Ortschaft Kommerscheidt als vermißt gemel-det.

Er wurde nur 22 Jahre alt.

Erst am 24. September 2008 tauchte seine Spur wieder auf, als eine deutsche Minensuchmannschaft ein als Baustelle ausgewiesenes Grundstück nach Restmunition absuchte und dabei einen amerikani-schen Kampfstiefel aus der Zeit des 2. Weltkrieges fand.

Als man das Grundstück anschließend beräumte, fand man die sterblichen Überreste von zwei US Soldaten. Einer von ihnen war Farrell.

General Sellars sagte, daß er schon bei vielen Beisetzungen gefallener Soldaten aus Massachusetts zugegen gewesen ist, aber noch nie habe er die Beisetzung eines im 2. Weltkrieges vermißten Soldaten erlebt.

„Solche Ereignisse wie diese Beisetzung kommen in den Vereinigten Staaten sehr selten vor. Jede Familie geht mit einer solchen Situation anders um. Die jüngere Generation freut sich, daß ein fehlen-des Familienmitglied wieder da ist, aber für die ältere Generation vollendet sich ein Stück ihres eige-nen Lebens und sie können nun beruhigt in ein anderes Leben übergehen. So etwas geschieht viel-leicht öfter in diesem Land, als uns das hier in diesem Augenblick bewußt ist. Es berührt mich sehr tief“, so der General weiter.

Gedanken nach der Beisetzung

Zu den Trauergästen gehörten auch zwei ehemalige Hürtgenwaldveteranen, die Farrell allerdings nicht persönlich gekannt haben.

„Ich erweise einem Kameraden, der auch in der Hölle vom Hürtgenwald gekämpft hat, die letzte Ehre“ sagt der 85-jährige Irving Smolens aus Melrose, Massachusetts. „Diese Kämpfe waren neben den Kämpfen in der Heckenlandschaft der Normandie das schlimmste, was ich je erlebt habe.“ Mr. Smolens kämpfte im Artillerieregiment der 4. US InfDiv und war im Raum Hürtgen – Großhau eingesetzt.

„Unser 22. Infanterieregiment hat dort in wenigen Tagen über 2000 Mann an Gefallenen, Verwunde-ten und Vermißten verloren. Der Ersatz, den wir im laufenden Gefecht dort erhielten, bestand aus jun-gen Männern, fast noch Kindern. Ich war auch ein solches halbes Kind, das noch nie in einem Gefecht gewesen war. Die Kämpfe gegen die sich tapfer wehrenden Deutschen waren so schwer, daß viele von uns getötet wurden, bevor sie überhaupt ihre Stellungen erreicht hatten. Auch eine ausge-baute Stellung war keine Garantie dafür, dort zu überleben.“
Der 85-jährige Anthony Grasso, der selbst in Norwood lebt, gehörte diesem 22. InfRegt der 4. InfDiv an. Er wurde im Hürtgenwald verwundet, 6 Tage, bevor Farrell als vermißt gemeldet wurde.

Beide Herren wollten dem Heimgekehrten durch ihre Anwesenheit ihren Respekt zollen.

Tom McQuaid, ein Neffe Farrells’, sagte, daß die Beisetzung sehr erhebend gewesen sei und einen würdigen Empfang für den Heimgekehrten dargestellt hätte.

Farrell war ein junger Student am College von Boston, als er sich 1943 zur US Army meldete. Im Jahre 1944 ging er nach der Landung in der Normandie in den Krieg und kämpfte in Frankreich, Belgien und Deutschland.

Er gehörte der A-Kp des 112. InfRegts der 28. US InfDiv in der 1. US Armee an.

Er wurde posthum mit dem Purple Heart (amerikanisches Verwundetenabzeichen) und dem Bronze Star für Tapferkeit im Einsatz (entspricht dem deutschen Eisernen Kreuz II. Klasse) ausgezeichnet.


General Sellars kommentiert den Tag wie folgt: „Jeder vermißter Soldat, den wir heimholen können, ist so wichtig. Er ist wichtig für die US Army und erst recht für die Familien und seine Lieben daheim. Wir dürfen mit den Anstrengungen, jeden nach Hause zu holen, nie aufhören.“

„Die Suchmannschaften der US Army durchsuchen in einem Fall wie dem von Farrell jeden einzelnen Bericht der betreffenden Einheit aus dem 2. Weltkrieg. Werden, wie in diesem Fall, dann auch noch Ausrüstungsgegenstände oder Uniformreste gefunden, wie in diesem Dorf in der Eifel, rücken diese Mannschaften aus und suchen solange, bis der Fall abgeschlossen ist.“

„Jedes Mal, wenn es gelingt, einen Soldaten nach Hause zu bringen und wieder mit seinen Lieben zu vereinen, ist ein wichtiger Schritt vollzogen worden. Nur das zählt. Wir werden niemals aufgeben und weiter-suchen, bis der letzte von ihnen heimgekehrt ist.“